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Die Malteser in Konstanz

SÜDKURIER Online: Konstanz. Nach dem Tiefgaragenbrand: Wie Einsatzkräfte eine Groß-Evakuierung meistern

08.01.2015
Nach dem Brand in der Tiefgarage in der Mageburger Straße in Konstanz: Von der Evakuierung betroffene Bewohner warten in der Berchenschule, bis sie wieder in ihre Wohnungen zurückdürfen. Bild: Thorsten Huber

Konstanz -  Eine Frau stand bei Minusgraden barfuß vor dem Haus! Wie Betroffene die Rettungsaktion beim Tiefgaragenbrand in der Magdeburger Straße erlebt haben und woher die Malteser kurz vor sechs am Feiertag Kaffe und Tee für 70 Leute organisiert haben.

Auch für die Einsatzkräfte ist das alles andere als Alltag. Draußen ist es noch stockdunkel, das Thermometer zeigt einige Grad unter Null, und vor einem Haus stehen fast 70 Menschen. Manche von ihnen haben sich schnell noch etwas übergezogen, andere sind im Schlafanzug. Eine Frau ist barfuß im Raureif. Das sind die Bilder, die bei Thorsten Huber und Michael Norgauer von den Konstanzer Maltesern am Tag nach dem Tiefgaragen-Brand in der Magdeburger Straße hängen geblieben sind. Und wie auch die Betroffenen selbst sind sie froh, dass es am Ende vor allem ein warmes Dach über dem Kopf und ein wenig Zuspruch war, was sie am Morgen des Dreikönigstags brauchten.

Situationen, in denen auf einmal sehr viele Personen zu versorgen sind, üben die Einsatzkräfte regelmäßig, sagt Thorsten Huber. Doch ein Szenario mit 70 Hilfsbedürftigen lasse sich gar nicht so einfach aufbauen. Dennoch muss im Ernstfall jeder Handgriff sitzen, denn in der Regel sind ja auch noch Verletzte zu versorgen. Das blieb am Dienstag allen erspart, aber die 27 Hilfskräfte allein von den Maltesern hatten trotzdem zu tun: Wo bekommt man schon an einem Feiertag um kurz vor sechs Uhr Kaffee und Tee für so viele Personen her und vielleicht auch noch ein Brötchen?

„Wir haben unsere Adressen“, sagt Michael Norgauer, der den Einsatz der Malteser vor Ort leitete: „Wir wussten zum Beispiel, dass der Bäcker Kopp in Wollmatingen am Feiertag offen hat. Da konnten wir Brötchen besorgen. Für heiße Getränke haben die Malteser in ihrer Zentrale Großküchen-Maschinen und Isolierbehälter. „Wir können uns aber auch von der Küche des Klinikums helfen lassen“, so Norgauer. Wenn allerdings bei einer großen Zahl an Verletzten Erste Hilfe zu leisten ist, wird die Verpflegung zur Nebensache. Personalstärke und Geräte in Konstanz seien ausreichend, um auch eine Art Lazarett aufzubauen. „Dort können wir die gesamte Erstversorgung leisten“, erklärt Thorsten Huber.

In der Berchenschule, zu der sich nach Norgauers Worten die Feuerwehr zunächst „Zutritt verschaffen musste“, habe während des Einsatzes eine gute Stimmung geherrscht, berichten auch Betroffene. Tatsächlich  musste die Feuerwehr ein Fenster aufbrechen und es anschließend mit einer Notverglasung versehen. „Die Menschen waren dankbar, dass sie nicht in der Dunkelheit vor dem Haus warten mussten, und es wusste zunächst ja niemand, wann sie wieder zurückdürfen“, erklärt Norgauer. Und er betont: „Den Einsatz morgens um sechs am Feiertag haben Ehrenamtliche geleistet, ohne jede Aufwandsentschädigung.“ Nur dank der Mitgliederbeiträge könnten die Malteser Ausbildung und Ausrüstung der Teams in dieser „Vorstufe zum Katastrophenschutz“ sicherstellen.

Bei der Polizei gehen unterdessen die Ermittlungen zur Brandursache weiter. Markus Sauter, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, sagte am Mittwoch, dass sich die Untersuchungen hinziehen werden. Die Experten gingen dabei nach dem Ausschluss-Prinzip vor. Wenn alle anderen Ursachen ausscheiden, laufe es auf fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung hinaus. Was den Brand in der Magdeburger Straße aber ausgelöst haben könnte, sei noch vollkommen offen.

  Groß-Evakuierungen

Von einer Evakuierung sprechen Einsatzkräfte, wenn ein Gebäude wegen drohender Gefahren komplett verlassen werden muss. Häufig kommt es in Konstanz nicht vor, dass dann eine große Zahl von Betroffenen versorgt werden muss. Abgesehen vom glimpflich verlaufenen Tiefgaragen-Brand am Dienstag ist den Einsatzkräften vor allem der Altstadtbrand vom 23. Dezember 2010 in Erinnerung. Damals wurde der Bürgersaal kurzfristig zum Hilfszentrum umfunktioniert. Auch dort waren unter anderem die Malteser im Einsatz – unter sehr viel beklemmenderen Bedingungen: Schnell war klar, dass die Bewohner zweier Häuser alles verlieren und nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können. (rau)

 

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