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Die Malteser in Konstanz

SÜDKURIER Kreis Konstanz: Brand auf der Fähre, mitten auf dem See: Wie Einsatzkräfte für unsere Sicherheit üben

19.03.2018

220 Männer und Frauen im Einsatz und ein bedrohliches Szenario: Bei der großen Übung vom Samstag haben alle Beteiligten etwas gelernt. Zum Beispiel, dass der Ernstfall vielleicht noch viel ernster wäre als erwartet.

Konkret mag man sich das gar nicht vorstellen. Auf der Überfahrt von Konstanz nach Meersburg tritt plötzlich Rauch aus dem Maschinenraum der Fähre aus. Erst nur wenig und dann plötzlich ziemlich viel. Das ganze Fahrbahndeck ist zugestellt mit Autos und Lastwagen, die Passagiere werden erst nervös und dann der Reihe nach krank. Und rundherum der eiskalte Bodensee. Das war das Szenario, das Christopher Kutschker und Andreas König ausgearbeitet hatten für die größte gemeinsame Übung der Blaulicht-Organisationen seit 2012.

"Wir müssen noch viel mehr Kräfte alarmieren"

Und das war noch nicht alles – auch Betriebsstoffe, die das Trinkwasser gefährden können, treten der Annahme zufolge aus. Das Ergebnis: ein riesiger Einsatz zu Land rund um den William-Graf-Platz in Staad und zu Wasser. Der Lerneffekt: "Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass wir im Ernstfall noch viel mehr Kräfte aus der ganzen Region alarmieren müssten".

Auch die Besatzung der "Lodi" meisterte ihre Aufgaben

Als Christopher Kutschker am Tag nach der Übung Bilanz zieht, wirkt er zufrieden mit den Ergebnissen vom Samstag. Das Szenario sei anspruchsvoll gewesen, aber nicht völlig realitätsfremd. Die Stadtwerke als Betreiber der Fährlinie Konstanz-Meersburg hätten sich sogar ausdrücklich gewünscht, dass ein solcher Fall einmal trainiert wird. Deshalb erfuhr auch die Besatzung der "Lodi" erst in letzter Minute davon, dass es sich hier nicht um einen Ernstfall handelte. Denn sie muss mit dem Löschen beginnen und Passagiere in Sicherheit bringen. Die vielfach trainierten Abläufe sitzen, sagt Kutschtker voller Respekt: "Die Fähre-Mitarbeiter haben super gehandelt."

Alte Blaulicht-Rivalitäten scheinen überwunden

Auch zwischen den einzelnen Blaulicht-Organisationen habe es hervorragend geklappt, so Kutschker – überwunden scheinen die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgebrochenen Rivalitäten zwischen Feuerwehr und DLRG. Auch in der gemischt besetzten Einsatzleitung habe es gut geklappt. Besonders hilfreich seien auch externe Berater gewesen, unter ihnen Fährbetriebs-Experten der Konstanzer Stadtwerke, Kreisbrandmeister Carsten Sorg sowie Fachleute von der Unteren Wasserschutzbehörde im Landratsamt. Und das alles, sagt Kutschker, war mehr als eine vertrauensbildende Maßnahme unter Kameraden: "Wir haben viele Details gesehen, die wir verbessern werden. Die Nachbereitung der Übung läuft jetzt erst an."

SÜDKURIER Online, Facebook und die App Nina informierten die Bürger

Ein Kompliment richtet der Feuerwehr-Pressesprecher auch an die Konstanzer. Unter anderem über die Facebook-Präsenz des SÜDKURIER Konstanz, das "Konstanzer Seegeflüster", hatte er darum gebeten, dass Schaulustige nicht den Ablauf des Einsatzes stören. Genau so war es dann auch: "Natürlich haben Zuschauer das mit Interesse verfolgt, aber es gab keinerlei Probleme", so sein Fazit. Die Feuerwehr hatte mit Beginn der Übung auch über die Katastrophen-Warnapp "Nina" informiert, dass es sich nicht um einen Ernstfall handle und dass sich niemand wegen der vielen Einsatzfahrzeuge und der Rauchentwicklung auf dem Schiff Sorgen machen müsse.

Für den echten Notfall gibt es auch einen Plan B

Und wenn das Szenario doch einmal Realität werden sollte? Dann stehen auf dem Schiff nicht eigens bereitgestellte Fahrzeuge, sondern echte Ladung. Dann sind nicht geschminkte und geschulte Verletzten-Laiendarsteller an Bord, sondern echte Fahrgäste, und von ihnen im Zweifelsfall sehr viele. Bis zu 700 Passagiere darf die "Lodi" transportieren. Sie wie in der Übung von der hohen Fähre vorsichtig auf die kleinen Rettungsboote hinabzuheben und sie dann wegzubringen – das dürfte nach Kutschkers Einschätzung nicht funktionieren. Doch der Fährbetrieb, dem er ausdrücklich für die Unterstützung bei dieser "ebenso lehrreichen wie anstrengenden" Übung dankt, hat dann eine andere Lösung parat: Wenn es wirklich ernst ist, kann ein zweites Fährschiff am Havaristen anlegen und so zum rettenden Zufluchtsort werden.

Die 220 Beteiligten kamen von vielen Organisationen

Die rund 220 Einsatzkräfte, die am Samstag übten, kamen von den Feuerwehren Konstanz und Radolfzell, dem Malteser Hilfsdienst, dem Deutschen Roten Kreuz, der DRLG, der Wasserschutzpolizei und vom Technischen Hilfswerk. Laut Feuerwehr-Pressesprecher und Mitorganisator Christopher Kutschker erforderte die Vorbereitungen allein bei der Feuerwehr fast 200 ehrenamtliche Arbeitsstunden. (rau)

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