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Die Malteser in Konstanz

SÜDKURIER Konstanz: Gegen die Hilflosigkeit - Der Malteser Hilfsdienst feiert 50. Jubiläum

20.05.2019

Ein Unglück gibt den Anstoß zur Gründung. von Nikolaj Schutzbach

Konstanz. Einem Unglück auf der Straße ist die Gründung des Malteser Hilfsdienstes in Konstanz zu verdanken. Im Jahr 1968 war es, als Gottfried Eckmann eine Frau auf dem Gehweg liegend fand, die zusammen gebrochen war. "Ich wollte helfen, aber sie sprach darauf nicht an", berichtete er von seiner Hilflosigkeit in einer Videobotschaft beim feierlichen Festakt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums im Konzil. Später habe er dann im SÜDKURIER gelesen, dass die Frau verstorben sein. "Das war furchtbar", erzählte der 80-Jährige.

Dieses Erlebnis war für ihn Anstoß, etwas gegen die eigne Hilfslosigkeit und die anderer zu unternehmen. Zusammen mit Hans-Peter Klauda und dem inzwischen verstorbenen Franz Egenhofer nahm er Kontakt zum Malteser Hilfsdienst in Köln auf, der bereits damals in Deutschland Erste Hilfe Kurse anbot. Nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit und Schulung boten die drei Männer den ersten derartigen Lehrgang in Konstanz an. In das Lokal Ecke Garten- und Schottenstraße seinen zu ihrer großen Überraschung 60 Teilnehmer gekommen.

Bereits im Jahr 1969 wurden 29 Kurse abgehalten, ist in der Jubiläumschronik zu lesen. Schon in den folgenden Jahren erweiterte sich das damals noch komplett ehrenamtlich geleistete Angebot. Neben Kursen leisteten die Helfer auch Sanitätsdienst bei Veranstaltungen und auf Sportplätzen. An diesem Abend ist noch oft vom "Kleinen Finger" zu hören, den mancher spätere Helfer den Maltesern gereicht hat, um kurz darauf seine ganze Freizeit dem ehrenamtlichen Dienst am nächsten zu leisten. So war es auch Matthias Kläsle gegangen, der sogar seinen Vater bewogen hatte, dem Hilfsdienst beizutreten. Er erinnerte sich daran, dass er und sein Vater an Heiligabend nicht mit der Familie unterm Christbaum sitzen konnten. Beide hatten ja den Behindertenfahrdienst übernommen. Sehr zum Ärger der Mutter, die mit den anderen Kindern zuhause blieb.

Auch Wolfgang Stoiber kam ganz unbedarft zu den Maltesern. Im Alter von 17 Jahren habe er einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. "Bis dahin wusste ich nur, dass Malteser eine Hunderasse ist", erzählte er. Was folgte, ist in Konstanz beispiellos. 1987 wurde er Stadtbeauftragter - also der Chef der Ehrenamtlichen - und blieb dies 26 Jahre lang. In seine Zeit fiel die Gründung der Malteserjugend. Besonders stolz ist er darauf, dass es gelungen war, Behinderte und Nicht-Behinderte darin zu integrieren.

Hans Weber war viele Jahre lang für die Ausbildung verantwortlich. Sein Anliegen sei es gewesen, die Schulungen auf das Wesentliche zu reduzieren. Dies sollte den Teilnehmern helfen ihre Ängste zu nehmen und ihnen das Vertrauen geben, dass sie Hilfe leisten können. Mit anderen zusammen entwickelte er auch "Erste Hilfe für Ihr Kind". Dieser Kurs wurde dann bundesweit aufgelegt, berichtete Moderator Bücklein.

Andreas Stechbart war der erste hauptamtliche Geschäftsführer der Konstanzer Malteser. Er beschaffte den ersten Rettungswagen. Mit einem Kumpel fuhr er auf dem Motorrad nach Mannheim, um das gebrauchte Fahrzeug abzuholen. Das Zweirad packten sie für die Rückfahrt hinten rein. Die Garage in der Spanierstraße war zu niedrig. Mit Spaten mussten sie diese vertiefen, damit der Rettungswagen reinpasste. 

Christoph Klausmann baute die Katastrophenschutzeinheit auf. Zuerst mit eigenen Fahrzeugen, obwohl die Zuständigkeit beim Bund beziehungsweise dem Land lag. "Wir haben sehr viel Ausbildung betrieben und vieles selbst gemacht", sagte er rückblickend. Eindrücklich ist ihm ein Einsatz in Erinnerung, bei dem die Malteser das Technische Hilfswerk bei der Sicherung der Mainaubrücke logistisch unterstützte. "Ein Wochenende lang und über meinen Geburtstag hinweg", erzählte er. Diese Zusammenarbeit habe sich später fortgesetzt und die Kameradschaft miteinander sehr gefördert.

Seit 1988 ist Jürgen Raupp Geschäftsführer. Die Digitalisierung sei eine der großen Herausforderungen. "Ein großes Thema ist die Telemedizin", erläutert er. Der Einsatz technischer Hilfsmittel sollte es ermöglichen, dass die Helfer mehr Zeit den Patienten widmen können. Um Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wollen die Malteser verstärkt selbst ausbilden. Das betritt laut Raupp vor allem Pflegeberufe und Notfallsanitäter. Die Gewinnung ehrenamtlicher Führungskräfte sei eine Herausforderung, betonte der Stadtbeauftragte Michael Norgauer. Ehrenamtlichen Führungskräften solle mehr hauptamtliche Unterstützung angeboten werden, ergänzte Raupp. "Sie dort entlasten, wo sie weit weg sind von den Menschen", bekräftigt er.

Die Malteser in Konstanz

In Konstanz sind 180 Helfer ehrenamtlich beim Malteser Hilfsdienst aktiv. Die Konstanzer Geschäftsstelle ist für rund 880 Mitarbeiter bis Sigmaringen und Leutkirch verantwortlich. Das Aufgabenspektrum ist sehr umfangreich. Es reicht vom klassischen Erste-Hilfe-Kurs, über Sanitäts- und Rettungsdienst sowie Katastrophenschutz bis hin zu den umfangreichen sozialen Diensten wie Hausnotruf, Fahrdienste, Menüservice; häusliche Krankenpflege, Hospiz- und Palliativdienst, Betriebssanitätsdienst, Besuchshunde und Qualifizierung für Pflegende. (nea)

 

 

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