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SCHWAEBISCHE Zeitung. Ailingen - Trotz schwerer Beeinträchtigung: Junger Mann aus Region veröffentlicht Fantasy-Roman

24.06.2019
Darauf darf er stolz sein: Allen körperlichen Widerständen zum Trotz hat Thomas Richter aus Ailingen einen spannenden Fantasy-Roman veröffentlicht. (Foto: Geiselhart)

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Und ein Beweis dafür, dass ein Mensch trotz schwerster körperlicher Beeinträchtigungen Großes leisten und positiv gestimmt bleiben kann. Thomas Richter aus Ailingen leidet an „Muskeldystrophie Duchenne“ – einer fortschreitenden Krankheit, bei der sich die Muskeln immer weiter abbauen.

Der 31-Jährige muss 24 Stunden am Tag beatmet werden und viel Zeit im Bett verbringen, weil ihn längeres Sitzen im Rollstuhl zu sehr anstrengt. Umso bemerkenswerter, dass er in jahrelanger Arbeit das Fantasy-Jugendbuch „Afalis und das Amulett des Seelenwanderers“ geschrieben und vor wenigen Monaten veröffentlicht hat – und sich damit einen großen Wunsch erfüllen konnte.

Das Einzige, das ich noch selbstständig tun kann, ist meinen Computer zu nutzen – mit Hilfe einer speziellen Software und einer einzelnen Taste, die ich mit einem Finger bediene.

Thomas Richter

„Das Einzige, das ich noch selbstständig tun kann, ist meinen Computer zu nutzen – mit Hilfe einer speziellen Software und einer einzelnen Taste, die ich mit einem Finger bediene. Diese Technik hat mich unterstützt. Aber auch meine Oma, der ich den Großteil des Textes diktiert habe“, erklärt Thomas Richter. „2014 habe ich mit der Arbeit am ersten Afalis-Band begonnen. Die Inspiration für die Romanreihe lieferte eine Kurzgeschichte, die in Zusammenarbeit mit meinem Freund Joachim Lutz entstand.“

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Den Drang zum Schreiben verspürt Thomas Richter schon seit vielen Jahren. „Da ich mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht habe, habe ich nach meinem Abitur am Wirtschaftsgymnasium einen Autorenkurs belegt“, erzählt er.

Auch das Thema „Fantasy“ sei schon immer seins gewesen. Davon zeugen auch zwei „Elbenschwerter“ aus „Herr der Ringe“, die sein Zimmer schmücken, genauso wie etwa ein Poster aus „World of Warcraft“. „Als die ersten Harry-Potter-Bücher erschienen sind, habe ich sie regelrecht verschlungen und konnte es kaum abwarten, bis der nächste Band herauskam“, sagt der Ailinger.

Als die ersten Harry-Potter-Bücher erschienen sind, habe ich sie regelrecht verschlungen und konnte es kaum abwarten, bis der nächste Band herauskam.

Thomas Richter

Sein Buch ist im Selbstverlag erschienen, auch das Cover entstand komplett in Eigenregie. Auf 364 Seiten erzählt er die spannende Geschichte des 16-jährigen Knappen Afalis, der Bücher, die von großen Abenteuern erzählen, über alles liebt – und sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst eines zu erleben. Als sein Herr, Ritter Leharan von Ehrenstein, zum Rat der Weisen gerufen wird und entscheidet, Afalis mitzunehmen, wird sein Traum wahr. Bereits der Weg zum Rat ist geprägt von mysteriösen Begegnungen und Vorkommnissen. Eine aufregende Reise beginnt, in deren Verlauf ein magisches Artefakt aus einem fremden Kontinent mehr und mehr in den Mittelpunkt rückt.

Diagnose als Dreijähriger

Mit der Diagnose „Muskeldystrophie Duchenne“ wurden Thomas Richter und seine Eltern konfrontiert, als der kleine Junge drei Jahre alt war. Schon in jungen Jahren wurde der Rollstuhl sein ständiger Begleiter. „Ab der fünften Klasse musste mich mein Opa zur Schule begleiten. Aber bis zur elften Klasse konnte ich immerhin noch eigenhändig schreiben“, berichtet der 31-Jährige. Später war er auf die Aufschriebe von Mitschülern angewiesen. Und das Abitur war – in einem extra Raum mit extra Aufsicht – nur möglich, weil er seinem Großvater zur Niederschrift vorsprechen durfte.

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Werktags wird Thomas Richter jeweils sechs Stunden vom Malteser-Pflegedienst betreut. Sehr dankbar ist er aber auch seinen Eltern und seinem kompletten privaten Umfeld, das viele Dinge erleichtert. „Und ich bin froh, dass ich mir einen Freundeskreis seit meinen Kindergarten- und Schultagen erhalten konnte“, sagt er. „Mit ihnen kommuniziere ich über die Sozialen Netzwerke. Sie besuchen mich aber auch – und regelmäßig lade ich zu Spieleabenden ein. Die Spiele entwickele ich oft selbst. An meinem Geburtstag gibt es einen Wettbewerb und für den Sieger sogar einen Wanderpokal.“

Thomas Richter wirkt stets fröhlich. Verbitterung kenne er nicht. „Ich versuche immer, das Beste aus meiner Situation zu machen“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Auch als Schriftsteller hat er sich noch viel vorgenommen. Das gedankliche Gerüst für den zweiten Band seines Fantasy-Jugendbuches steht schon.

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