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Die Malteser in Konstanz

SCHWAEBISCHE Zeitung Weingarten: Wiederbelebung mit Handschuh, Maske und Abstandsregel

25.06.2020
Übungspuppen kommen vermehrt zum Einsatz. (Foto: Malteser)

Die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus kosten Ausbilder und Teilnehmer von Erste-Hilfe-Kursen viel Zeit. „Seit es im März wegen der Corona-Krise keine Erste-Hilfe-Kurse mehr gab, war ich der Erste, der das bei uns nach Lockerung der Beschränkungen wieder machte“, verrät Ausbilder Udo Blaseg bei der Begrüßung bei einem Training der Malteser in Weingarten. Er wirkt dabei ganz locker, heißt es in einer Mitteilung der Malteser.

Dafür gibt es offenbar auch einen Grund, denn das Team rund um den Malteser-Ausbildungsleiter Norbert5 Scheffler hat unter Einhaltung neuer Hygienevorschriften alles vorbereitet: „Wir haben getestet, was wir alles dafür machen müssen.“

Und das war eine Menge. Allein durch das ständige Desinfizieren der Übungspuppe „Anne“ gehe viel Zeit verloren, heißt es in der Mitteilung. Durch die Abstandsregel sei die Zahl der Teilnehmer begrenzt, manche Übungen können nicht praktisch von Teilnehmern an Teilnehmern durchgeführt werden, sondern müssten simuliert werden. Dabei ist durchaus Improvisationstalent gefragt. „Eigentlich ist das paradox, denn Erste Hilfe wird an und mit Menschen durchgeführt“, so Blaseg. Und er ergänzt: „Das Ausbildungskonzept wurde wegen der Hygienevorgaben bundeseinheitlich entsprechend methodisch und didaktisch angepasst.“

Hälfte ist „gezwungenermaßen“ dabei

Doch bevor die Reanimationspuppe „wiederbelebt“ wurde, bekam jeder der zehn Teilnehmer sein eigenes abgestecktes Refugium mit Kugelschreiber, Maske, Handschuhen, Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial zugeteilt. „Wir prüfen genau, wie wir das miteinander geregelt bekommen“, sagt Udo Blaseg, bevor er den Ablauf der Vorsichtsmaßnahmen erklärt: Abstand einhalten, Hände waschen und desinfizieren, mit Handschuhen und Mundschutz richtig umgehen, den Kuli behalten, da sich auf dem Kunststoff das Virus festsetzen könnte, Eingangstüre geöffnet lassen, für Luftzug sorgen, auf dem Weg zur Toilette auf Begegnungsverkehr achten, Begrüßungsregeln, Hustenetikette und vieles mehr.

 

Bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer stellte sich laut Miteilung schnell heraus, dass etwa die Hälfte davon „gezwungenermaßen“ dabei ist, denn ohne Erste-Hilfe-Kurs gibt es keinen Führerschein. Bei Mark ist es bereits zehn Jahre her; durch den Kurs erhofft er sich, seinen Führerschein wieder zurück zu erlangen. Weil ihr Mann einen Schlaganfall hatte, will Christel ihre Kenntnisse auffrischen. „Ich mache alle drei Jahre einen Kurs“, verrät Alex, der viel auf Baustellen ist und wegen der erhöhten Unfallgefahr gewappnet sein will. Student Bastian ist gespannt, was sich seit 2012 bei der Seitenlage alles geändert hat. Als Fotografin ist Tamara viel mit dem Motorrad unterwegs, bei ihr liegt der Kurs elf Jahre zurück.

Erinnerungen an Schulzeiten

„Was ist ein Notfall?“, fragt Udo Blaseg, der als gelernter Krankenpfleger, langjähriger Bundeswehr-Sanitätsausbilder, späterer Führungskräftetrainer und aktiver Einsatzsanitäter gleichermaßen medizinisches Fachwissen und Erfahrung in der Erwachsenenbildung mitbringt. Er war zudem einer der wenigen Sanitätssoldaten, die das prestigeträchtige „Expert Field Medical Badge“ des US-Army Medical Corps tragen dürfen. Zusammen mit Norbert Scheffler wird er in wenigen Wochen die Qualifikation als „Praxisanleiter“ erreichen und damit in besonderem Maße für die Ausbildung neuer Erste-Hilfe-Ausbilder zuständig sein.

Es erinnert fast ein wenig an vergangene Schulzeiten, wenn auf Fragen die Antworten in den Raum geworfen werden. „Achtzig Prozent der Notfälle passieren im häuslichen Bereich“, so der Ausbilder und spricht dabei von Herzattacken, Schlaganfällen, Stürzen und Verbrühungen: „Drei Minuten ohne Sauerstoff führen in der Regel zu Gehirnschäden, fünf Minuten zum Hirntod“. Ist ein Mensch bewusstlos, erschlafft die Muskulatur und Schutzreflexe – zum Beispiel das Husten bei Verschlucken – gehen möglicherweise verloren. Es ist still im Ausbildungsraum. Dann ist die Rede von einem anderen Szenario: Udo Blaseg erklärt die Hilfsmaßnahmen einer Rettungskette, in der trotzdem immer „Eigenschutz vor Fremdschutz“ gilt.

Am Ende bekamen alle Teilnehmer nach einem Wissenstest das begehrte Abschlusszertifikat, heißt es abschließend in der Mitteilung.

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