Navigation
Die Malteser in Konstanz

SCHWAEBISCHE Zeitung: Friedrichshafen - Enorme Verluste bei Maltesern und Johannitern durch Corona-Krise

07.07.2020

Wenn die Rede von Rettungswagen ist, haben wir wie selbstverständlich Bilder von Fahrzeugen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), aber eben auch der Johanniter-Unfallhilfe und der Malteser vor Augen. Letzteren sind allerdings zu Corona-Zeiten bisweilen die Felle davongeschwommen. Sie haben nicht die Organisationsstruktur wie die Feuerwehr oder das DRK.

Einnahmen haben in der Corona-Krise auch Feuerwehr und DRK verloren, schon allein, weil sie bei keiner Veranstaltung mehr anwesend sein mussten oder eine Wache stellen sollten. Die Feuerwehr spielt dabei noch eine gesonderte Rolle, lesen Sie dazu nebenstehenden Kasten. Das DRK als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege nimmt eine Sonderstellung ein, weil es völkerrechtlich die festgeschriebenen Aufgaben der Nationalen Rotkreuzgesellschaft in Deutschland wahrnimmt. Es handelt sich also um eine Mischform aus privater und staatlicher Organisation. Das ist bei den Maltesern und Johannitern nicht der Fall.

Johanniter-Unfallhilfe und Malteser-Hilfsdienst haben als Vereine, die von den beiden Ritterorden Johanniter und Malteser gegründet wurden, derzeit auch arg zu kämpfen mit den Mindereinnahmen durch ausgefallene Dienste. Aber auch durch ausgefallene Seminare und Schulungen. Die Leiterin der Kommunikationsabteilung der Johanniter-Unfallhilfe, Claudia Bangowski, spricht von einem Umsatzrückgang von 73 Prozent bei der Sanitätsausbildung. 26 Prozent weniger Krankentransporte sind die Johanniter gefahren und rund 71 Prozent weniger Geld konnte Stand Ende Mai bei den Seminaren und Kursen für die Erste-Hilfe-Ausbildung eingenommen werden, die für Fahrschüler, Betriebshelfer und Brandschutzhelfer obligatorisch ist. „Das lag einfach daran, dass die Kurse nicht erlaubt waren, dass aber auch die Fahrschulen geschlossen hatten“, sagt die Sprecherin.

Die Zahlen sind hochgerechnet bis Jahresende und setzen voraus, dass die Betriebe ab Juli wieder weiterlaufen und es keine zweite Welle und damit einen zweiten Lockdown geben wird. Bei der Kita-Fortbildung gab es laut Claudia Bangowski gar einen Einbruch von 91 Prozent. Gleichzeitig aber hatten die Johanniter auch deutlich höhere Ausgaben zu stemmen, die ansonsten nicht in diesem Maße anfallen. So wurden rund 56 000 Euro für Schutzmasken und Ausrüstung im Bodenseekreis und in Ravensburg ausgegeben, „ohne zu wissen, ob wir das von wem auch immer erstattet bekommen. Es war einfach nötig, weil wir den Katastrophenschutz und die Hilfeleistungen stets vorhalten“, so Bangowski. Dazu kommen höhere IT-Ausgaben. Im schlimmsten Fall könnte dem Verein gar eine Insolvenz drohen. Die Johanniter sind ein gemeinnütziger Verein, der keine Gewinne machen darf, nur Überschüsse produzieren. Davon aber gab es in letzter Zeit nicht sonderlich viele. Der Regionalvorstand Stefan Dittrich sagt dazu, der Wert der Hilfsorganisation sei erkannt, aber Bund, Länder und Gemeinden oder Landkreise müssten darauf auch mit Unterstützung reagieren. Die Johanniter-Unfallhilfe befand sich während der Pandemie in Alarmbereitschaft, ist auf eine zweite Welle vorbereitet und hofft jetzt selbst auf Hilfe.

Die Lage beim Malteser Hilfsdienst ist ähnlich. „Wir hatten seit April im Bodenseekreis 87 Mitarbeiter in Kurzarbeit, zwischenzeitlich läuft in verschiedenen Bereichen die Arbeit wieder an“, sagt der Geschäftsführer der Malteser, Jürgen Raupp. Die Agentur für Arbeit erstattet hier zwar 60 bis 67 Prozent der Gehaltskosten, aber nur bei den hauptamtlich angestellten Mitarbeitern. Geringfügig Beschäftigte, also 450-Euro-Jobber, sind hiervon ausgenommen. „Aber auch unsere geringfügig Beschäftigten erhalten eine tarifliche Vergütung“, sagt Raupp. Im Bereich des Fahrdienstes wurde zwischenzeitlich Unterstützung des Landkreises zugesagt. Leider sind die Verhandlungen mit anderen Kostenträgern noch ohne Ergebnis. „Aktuell rechnen wir mit einem Verlust von rund 50 000 Euro bei den Fahrdiensten, die aufgrund der Kita- und Schulöffnungen langsam wieder anlaufen. Durch die Ausfallzeiten in Schule und Kita sind bei den Maltesern nicht nur die Fahrdienste weggefallen, sondern auch die Schulbegleitungen. „Im Rahmen der Inklusion setzen wir Schulbegleiter in der Eins-zu-eins-Betreuung in Schulen und Kitas ein. Keine Schule, keine Begleitung. Hier gibt es neben Kurzarbeitergeld eine Möglichkeit, Erstattungen bestimmter Kosten aufgrund des Gesetzes für den erleichterten Zugang zur sozialen Sicherung und zum Einsatz und zur Absicherung sozialer Dienstleister zu erhalten. Anträge werden dazu gerade gestellt“, sagt RauppDie Malteser sind auch in verschiedenen Kindertagesstätten in Sachen Catering aktiv. Auch hier sind durch Schließungen Verluste eingetreten. Ein Großteil der Mitarbeiter konnte nicht alternativ eingesetzt werden. Die Ausbildung und die Kurse und Seminare kamen komplett zum Erliegen. „Hier haben wir aktuell erhebliche Einnahmeausfälle. Im Zeitraum März bis Juni wird sich der Verlust bei rund 17 000 Euro einpendeln. Aktuell bringen wir die verschiedenen Dienste wieder in Gang und hoffen, die bisherigen Angebote auch weiterhin für die Bürger ohne Einschränkungen anbieten zu können“, sagt Jürgen Raupp. Er ist zuversichtlich, die Schließung von Dienstleistungsangeboten abwenden zu können.

Online Spenden

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE53370601201201207289  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7